Im Oktober machten wir uns auf ins Rote Zentrum von Australien: Alice Springs, Kings Canyon und Uluru (Ayers Rock) wollten wir uns ansehen. Wir starteten in Sydney bei frühlingshaften 15 °C, The Alice (Kosewort der Aussies für Alice Springs) empfing uns mit 35°C !Alice Springs ist ein kleines Städtchen mit rund 30'000 Einwohnern, mitten im Nirgendwo, eingebettet in Hügelzüge. Zum Stadtbild gehört ein meistens ausgetrocknetes Flussbett.
Erschreckend in Alice Springs sind die vielen dahinvegetierenden Aborigines. Anders als in der Region Sydney sind die Eingeborenen im Red Centre sehr dunkel bis schwarz und haben geschwulstige und grobe Gesichtszüge, sehen also nicht gerade schön aus. Sie haben keine Jobs und wissen nicht, was den lieben langen Tag tun sollen.
40'000 Jahre lang haben die Aborigines in und mit der Natur gelebt: Waren Sammler und Jäger mit starken Traditionen und vielen Mythen und Geschichten. Dann plötzlich kamen die europäischen Missionare und wollten die Eingeborenen zivilisieren. Die Kinder wurden den Eltern entzogen und in europäische Familien gesteckt zur Erziehung (die sogenannte „Stolen Generation“). Die Aborigines mussten die gesamte Entwicklung von ihrem Steinzeitdasein zur heutigen Zivilisation, welche in Europa viele Hundert Jahre dauerte, in kürzester Zeit durchleben – und dabei blieben viele auf der Strecke. Sie wurden vom zivilisierten westlichen Lebensstil überrollt und stürzten ab in Einsamkeit, Alkohol und Bitterkeit.
In Sydney beginnt allmählich ein Nebeneinander, aber in Regionen wie Alice Springs haben die Aborigines nach wie vor noch keinen Platz im westlichen Lebensstil.Unsere Reiseführerin beim Uluru erzählte uns ihre Geschichte: Geboren als Aborigines, wurde auch sie von ihren leiblichen Eltern getrennt und nach Alice Springs zu einer Gastfamilie geschickt. Doch sie hatte Glück: Ihre Mutter durfte sie jederzeit besuchen und der Kontakt zur Familie blieb bestehen. Heute ist sie eine der wenigen Aborigines, die sowohl englisch wie auch mehrere Eingeborenensprachen spricht und sich in beiden Welten durchschlagen kann. Sie hilft derzeit mit, die Aborigines-Sprachen, welche nur gesprochen nicht aber geschrieben werden, zusammenzutragen und aufzuschreiben.
Der Ausflug ins Rote Zentrum hat uns einen ganz neuen, schönen aber auch sehr nachdenklichen Eindruck von Australien aufgezeigt.




















