Dienstag, 2. Dezember 2008

Red Centre

Im Oktober machten wir uns auf ins Rote Zentrum von Australien: Alice Springs, Kings Canyon und Uluru (Ayers Rock) wollten wir uns ansehen. Wir starteten in Sydney bei frühlingshaften 15 °C, The Alice (Kosewort der Aussies für Alice Springs) empfing uns mit 35°C !
Alice Springs ist ein kleines Städtchen mit rund 30'000 Einwohnern, mitten im Nirgendwo, eingebettet in Hügelzüge. Zum Stadtbild gehört ein meistens ausgetrocknetes Flussbett.

Erschreckend in Alice Springs sind die vielen dahinvegetierenden Aborigines. Anders als in der Region Sydney sind die Eingeborenen im Red Centre sehr dunkel bis schwarz und haben geschwulstige und grobe Gesichtszüge, sehen also nicht gerade schön aus. Sie haben keine Jobs und wissen nicht, was den lieben langen Tag tun sollen.

40'000 Jahre lang haben die Aborigines in und mit der Natur gelebt: Waren Sammler und Jäger mit starken Traditionen und vielen Mythen und Geschichten. Dann plötzlich kamen die europäischen Missionare und wollten die Eingeborenen zivilisieren. Die Kinder wurden den Eltern entzogen und in europäische Familien gesteckt zur Erziehung (die sogenannte „Stolen Generation“). Die Aborigines mussten die gesamte Entwicklung von ihrem Steinzeitdasein zur heutigen Zivilisation, welche in Europa viele Hundert Jahre dauerte, in kürzester Zeit durchleben – und dabei blieben viele auf der Strecke. Sie wurden vom zivilisierten westlichen Lebensstil überrollt und stürzten ab in Einsamkeit, Alkohol und Bitterkeit.

In Sydney beginnt allmählich ein Nebeneinander, aber in Regionen wie Alice Springs haben die Aborigines nach wie vor noch keinen Platz im westlichen Lebensstil.
Unsere Reiseführerin beim Uluru erzählte uns ihre Geschichte: Geboren als Aborigines, wurde auch sie von ihren leiblichen Eltern getrennt und nach Alice Springs zu einer Gastfamilie geschickt. Doch sie hatte Glück: Ihre Mutter durfte sie jederzeit besuchen und der Kontakt zur Familie blieb bestehen. Heute ist sie eine der wenigen Aborigines, die sowohl englisch wie auch mehrere Eingeborenensprachen spricht und sich in beiden Welten durchschlagen kann. Sie hilft derzeit mit, die Aborigines-Sprachen, welche nur gesprochen nicht aber geschrieben werden, zusammenzutragen und aufzuschreiben.

Der Ausflug ins Rote Zentrum hat uns einen ganz neuen, schönen aber auch sehr nachdenklichen Eindruck von Australien aufgezeigt.

Samstag, 11. Oktober 2008

Sydney Running Festival

Vor zwei Wocheng fand in der City das Sydney Running Festival statt, rund 25'000 LäuerInnen waren unterwegs. „Einmal über die Harbour Bridge rennen, das muss sein“ sagten wir uns. Also meldeten wir uns in der kürzesten Kategorie „Family Fun Run“ über 4km an. Der Lauf führt vom Milsons Point (direkt unterhalb der Bridge auf der Nordseite) über die für die Autos gesperrte Harbour Bridge zur Opera. In unserer Kategorie waren 4'500 LäuferInnen unterwegs, ob rennend oder spazierend, ob 6- oder 80-jährig, alles war dabei.

Sibylle und Corsin starteten bewusst mit anderen Kindern und Eltern der Deutschen Schule in der hinteren Hälfte. Noel hingegen schaffte es - mit Unterstützung von Linda Sesta-Hollenstein - in der ersten Reihe einzustehen! Denn sein Ziel war ein schneller Lauf. Als Corsin und Sibylle bei der Startlinie vorbeikam, war Noel schon weit... Dies spielte aber keine Rolle, da jeder Läufer einen Chip bei sich trug, welcher die effektive Start- und Zieldurchlaufzeit notierte.

Die Sicht beim Start, dann aber vor allem von der Bridge aus war wunderschön: Frühmorgendliches (7.30 Uhr) Sydney bei Sonnenschein und 24 °C – was wollte man mehr. Doch Noel hatte wohl keine Zeit, sich um die Stadt-Schönheiten zu kümmern: Er lief ein fulminantes Rennen und benötigte für die 4km nur 17 Min.24 Sek, was Rang 28 der total 4'500 bedeutete. Auch Corsin hielt sich super und beendete den Lauf mit rund 24 Min. auf Rang 522.
Nach der Arbeit das Vergnügen: Um die verlorenen Kalorien wieder zu ersetzen, genossen wir anschliessend ein „Bavarian Breakfast“ im Löwenbräu in the Rocks.


Samstag, 13. September 2008

Eröffnung der neuen Schule in Sydney

Gerade richtig zum 13. September fand sich der australische Frühling resp. Vorsommer ein: Ganzer Tag Sonnenschein bei 27°C. Dies war sehr wichtig, denn an diesem Tag fand die grosse Eröffnungsfeier „unserer“ neuen Schule in Terrey Hills, Sydney statt.
Die Stimmung war grossartig, der Menschenauflauf auch. Alles war fein rausgeputzt, die letzten Arbeiten an den Gebäuden fanden noch wenige Stunden vor der Eröffnungsfeier statt. Der Anlass ist voll gelungen und die Schule konnte sich im besten Licht präsentieren. Nun hoffen wir auf zahlreiche Anmeldungen von neuen Schülern. Derzeit besuchen 220 Kinder die Schule, die Räumlichkeiten könnten aber bis 350 Schüler aufnehmen.

Für Noel und Corsin war es ein wunderschöner Tag mit all ihren Schulgspändli, für Mats ein paar gemütliche Stunden mit Weizenbier und Freunden. Für mich als Member of the Board of Directors war der Tag mit Represenations- und Organisationsaufgaben gefüllt. Für mich ging mit dem Fest eine
intensive Vorbereitungszeit zu Ende. Eine Zeit, wo ich täglich in der Schule war und mich irgendwie nützlich zu machen versuchte: Sei es beim Plakat-Entwerfen, beim Visitenkarten-Schneiden, beim Organisieren von Parkplätzen oder beim Suchen von Helfern/innen für Vorbereitungs- und Aufbauarbeiten. Nun hoffe ich, ab Montag wieder etwas mehr Zeit in unserem Haushalt und beim Sport verbringen zu können...











Mittwoch, 3. September 2008

OL-Saison im australischen Winter


Da der Sommer zu heiss ist (oder, weil es im Sommer zu viele giftige Tiere à la Schlangen unterwegs im Wald hat?), findet die australische OL-Saison im Winter statt. Seit März sind wir regelmässig, d.h. alle 2-3 Wochen, in der näheren und weiteren Umgebung von Sydney an Wettkämpfen unterwegs. Die Fahrtzeiten betragen zwischen 1 – 4 Stunden pro Lauf! So werden auch hier häufig OL-Weekends angeboten, d.h. 2 Läufe an einem Wochenende mit Übernachtung.

Diese „OL-Reisen“ bringen uns Australien auf eine ganz andere Art näher. Wir kommen in Gebiete, wo sich sonst kein Ausländer und wohl auch nur wenige Australier hin verirren.

Letztes Wochenende waren wir in der Region von Mona Vale, ca. 2 h südlich von Sydney. Wunderschöner Eukalyptuswald mit fast keiner Bodenvegetation, d.h. für OL-Insider: Schnelles Vorwärtskommen und offene Sicht. Der Kompass war gefragt, da es in solch abgelegenen Gebieten kaum Wege und andere deutliche Objekte gab (Mats hatte leider den Nord-Kompass eingepackt ...)
Dass uns die Känguruhs während den OL’s um die Ohren rennen, sind wir inzwischen gewohnt. Doch diesmal waren zudem viele Emu’s im Wald unterwegs ! Eindrücklich, wenn diese „Vogel Strauss“-Fiecher vor einem davon rennen, da bebt schon fast die Erde. Am Samstag ist Sibylle während dem Lauf zudem fast auf ein Echidna (= Igel-ähnliches Tier) gestanden.


Dass es wirklich Winter ist in Australien, zeigt das Bild vom Sonntag morgen: Minusgrade mit weissem Frost auf den Wiesen!



Montag, 18. August 2008

Back Home

Nach 4 Wochen wunderschönen Sommerferien in der Schweiz mit Vollpension bei den Eltern/Grosseltern im Obernau sind wir nach Sydney zurückgekehrt. Da Matthias in Australien geblieben war, fiel uns der Abschied in der Schweiz nicht gar so schwer und auch die Jungs freuten sich darauf, „nach Hause“ zu gehen.

Den Rückflug hätten wir eigentlich ganz gut überstanden, wenn nicht Corsin ca 3 Stunden vor der Zwischenlandung in Singapore durch einen immer stärker werdenden Juckreiz im After zunehmend unruhiger wurde. Kaum gelandet, hiess es Arzt aufsuchen, denn mit einem weinenden, wild hüpfenden und jaulenden Junge konnte ich den 8-Stunden Flug von Singapore nach Sydney nicht in Angriff nehmen. Die Diagnose des Arztes: Würmer (aufgelesen in der Schweiz !?). Die vom Arzt verschriebenen Medikamente haben jedenfalls geholfen, Corsin hat fast den ganzen Flug geschlafen und die Würmer haben sich seit diesem Zwischenfall nicht mehr gemeldet...


So gross die Freude war, Matthias wiederzusehen, so gross war aber auch der Temperaturschock ! Seit nun 2 Wochen sind wir wieder am frieren: Im Haus schwanken die Temperaturen zwischen 20 °C (mit Heizöfeli) und 11 °C (ohne).
Noch etwa 3 Wochen, dann sollte die kälteste Zeit überstanden sein – sagen jedenfalls die Australier. Die gleichen sagen aber auch, dass sie noch nieeeeeee einen soooooo kalten Winter hatten. Wer’s glaubt? Seitdem wir hier sind, scheinen wir alle Rekorde zu brechen: der nässeste Sommer, der kälteste Winter, der wärmste Oktober, der nässeste November. Wir laufen jedenfalls wieder in Lammfellschuhen, Lammfelljacken, Lammfellsocken und mit Lammfellschal in der Wohnung rum.

Dienstag, 5. August 2008

Ferien in der Schweiz

Vor unserem Abflug Richtung Schweiz am Sonntagnachmittag absolvierten wir am Morgen noch einen Orientierungslauf. Der Lauf zählte für die Meisterschaft zwischen den OL-Klubs rund um Sydney und für uns war klar, dass wir da noch dabei sein wollten. Geduscht und fertig gepackt wurde dann direkt am Flughafen...

Die ersten Tage in der Schweiz waren schon speziell für uns: So lange waren wir weg und doch hat sich in unseren Augen nichts verädert - als ob die Zeit stillgestanden wäre in der Schweiz ! Alles ging seinen gewohnten Lauf und ich kam mir – irgendwie fremd und aufgesetzt – wie ein Beobachter vor.
Doch dies legte sich schnell und das Wiedersehen mit allen Verwandten, Freunden und Bekannten war wunderschön und wir wurden überall mit offenen Armen empfangen und eingeladen. Wir genossen die 4 Wochen in vollen Zügen, die Jungs durften sogar bei Freunden übernachten und 1-2 Tage mit der „alten“ Schulklasse in die Schule gehen.
Herzlichen Dank an Euch alle, es hat uns riesig gefallen und wir freuen uns schon auf das nächste Wiedersehen!

Sonntag, 13. Juli 2008

Home Alone

Das ist nun mal das Los der Expat-Männer: Einerseits erhält man das Recht, einmal pro Jahr mit der Familie in die Heimat zu fliegen. Andererseits reichen die vier Wochen Ferien bei weitem nicht aus, die australischen Schönheiten und die Heimat zu besuchen. Die Folge davon: Die Männer werden alleine ihrem Schicksal des arbeitenden Volkes überlassen. Klar, die Schulferien haben begonnen, es lockt der Sommer in der Schweiz und zudem haben wir nun schon ein ganzes Jahr in Sydney verbracht. Zum Glück sind unsere australischen Nachbarn sehr herzlich und haben Mitleid, wenn ich Abends noch am waschen, bügeln, einkaufen und kochen bin. So bringen sie ihre Essensresten vorbei und leisten mir Gesellschaft.

Dienstag, 10. Juni 2008

Frieren in Australien!

Seit April hat bei uns der Herbst resp. der Winter Einzug gehalten. Dies äussert sich in kalten Nächten (zwischen 8-12 °C) und – bei schönem Wetter – mit 16-20°C angenehmen Tagen. Wenn es aber regnet (so wie in den letzten 2 Wochen), bleibts auch während dem Tag im Bereich von 13-16°C. Eigentlich sehr angenehm für Winter, würde man in Europa sagen. Ja, wenn....

Die Häuser bestehen aus dünnem Pressholz mit einfach-verglasten Fenstern, ohne jegliche Isolation. Zudem haben die meisten Häuser entweder gar keine Heizung oder dann höchstens ein Klimagerät im Wohnzimmer in der hintersten Ecke oben unter der Zimmerdecke. So auch wir. Das heisst, die Aussentemperatur entspricht meistens auch der Innentemperatur.
Wir stehen bei 8-10°C auf, stellen unsere diversen gekauften „Heizöfelis“ an und ziehen uns wie „echte“ Australier an: Wollfell-Finken und dicker Morgenmantel. Nach einiger Zeit sind Küche und Wohnzimmer auf angenehmen 18-20°C aufgeheizt. Doch sobald die Heizkörper abgestellt sind, fällt die Temperatur wieder auf 13-15°C. Und wenn wir gleichzeitig zu viele Heizöfelis laufen lassen, haut’s uns die Sicherung raus!
In den beiden Badezimmern haben wir zum Glück je 4 Wärmelampen à je 275 Watt (!), welche das Duschen am Morgen früh überhaupt erst ermöglichen!

Echte Australier heizen nicht, sondern ziehen – neben den bereits erwähnten Lammfellkleider – dicke Pullover und Wollschal an. Draussen laufen die Aussis in jeder Jahreszeit gleich herum: kurze Hosen, T-Shirt, Sonnenbrille und die Kinder sind häufig sogar barfuss – und dies auch bei 12°C.
Die Australier schütteln nur den Kopf, wenn wir sie auf die Kälte ansprechen – in Europa sei’s doch viel kälter als hier und wir sollten doch dies gewohnt sein....
Ja, wir haben noch nie so gefroren wie hier in Australien – und fliegen zum Glück in 2 Wochen in die Schweiz, um uns etwas aufzuwärmen....

Donnerstag, 15. Mai 2008

Australian Soccer

Nun wo der Winter in Sydney langsam Einzug hält, hat auch die Soccer Saison wieder begonnen. Die Temperaturen, der Niederschlag und die Sonneneinstrahlung lassen es zu dieser Jahreszeit überhaupt zu, im Freien auf einer einigermassen grünen Wiese trainieren und Matches spielen können. Wir haben Noel und Corsin beim lokalen Fussballklub angemeldet, damit sie zusätzlich zur Bewegung auch noch vermehrt Englisch sprechen können. Trotz der Popularität von Rugby und Kricket im Fernsehen ist im Schulalter klar Soccer der Breitensport Nummer 1. Als Beckham mit LA Galaxy kürzlich zum Freundschaftsspiel gegen Sydney FC antrat, kamen über 80'000 Zuschauer ins Olympia Stadium. Klar dass Spice Girl Victoria diese Gelegenheit nutzte, um gleich ein noch Werbung für ein neues Parfüm zu machen. Ein grosser Schub bewirkte im Jahr 2005 auch ein kompletter Neuanfang. Die vorherige Amateur-Liga (NLS) kam nicht vom Fleck und hatte ethnische Schwierigkeiten. Seit 2005 bildet eine komplett neu formierte A-League die höchste Spielklasse. Sie besteht aus 8 Mannschaften aus den grössten Städten, wobei jede Stadt nur eine Mannschaft stellen durfte. Erstaunlicherweise haben die Konflikte bei den Zuschauern massiv abgenommen, und bei Zuschauerzahlen von meist über 40'000 sieht man hier nie Ausschreitungen wie etwa bei Luzern gegen Basel.

Unsere Samstage verbringen wir wie viele australische Eltern nun meist auf einem Fussball-Platz. Die Eltern werden eingespannt für Zwischenverpflegung, Coaching, Schieds- oder Linienrichter Funktionen. Nicht selten brauchen wir beide Autos um getrennt an verschiedenen Ecken im Norden von Sydney Fussball-Service zu bieten. Den Kindern jedenfalls gefällt es sehr gut.

Freitag, 28. März 2008

OL im Zoo

Nun, wir wissen, wir haben schon lange nichts mehr von uns hören lassen Das ist aber nicht etwa ein schlechtes Zeichen, im Gegenteil. Wir haben ein Phase mit verschiedenen Besuchen aus der Schweiz erlebt und konnten zeitweise sogar verschieden Gäste gleichzeitig beherbergen und ins Sydney-Alltagsleben einführen. Zudem durfte ich bei einer Geschäftsreise in den Norden der USA Winteratmosphäre bei –26 Grad schnuppern.

Über Ostern verbrachten wir einige Tage in Dubbo (440 km nordwestlich von Sydney) an einem 3-Tage OL. Zur Eröffnung nahmen wir zum ersten Mal als Familie, zusammen mit weiteren ca. 50 Familien, an einer Staffel teil. Diese fand im Gelände eines der weltgrössten Zoo’s statt. Sibylle, auf der Startstrecke mit Massenstart, konnte sich nach einem Fehler am Giraffen-Zaun wieder auffangen. Die Übergabe an Noel zur zweiten Strecke erfolgte beim Käfig der Meercats und mein Zieleinlauf führte zum See mit der Insel der Spider-Monkeys. Trotz Erschöpfung am ersten Tag liessen wir uns es nicht nehmen, noch das restliche Zoo-Gelände in aller Ruhe zu erkunden. Dies allerdings so wie alle anderen Aussies auch: Im Schritt-Tempo mit dem Auto!

Mittwoch, 13. Februar 2008

Sorry-Day

Heute morgen, 13. Februar um 9am war für die australische Geschichte ein wichtiger Moment: Regierungschef Kevin Rudd ergriff im Parlament in Canberra das Wort und hielt eine bewegende und ergreifende 30-minütigen Rede, in welcher er sich gegenüber der „Stolen Generation“ im Namen der Regierung und der ganzen Nation entschuldigte. Der Oppositionsleader Dr. Nilsson sprach weitere 20 Minuten und unterstrich die Worte von Rudd.

In den Jahren 1900-1969 galt ein Gesetz, welches vorsah, die Kinder von Aborigines ihren Eltern wegzunehmen, um sie in westlichen Familien zu „zivilisieren“. Zehntausende von Kindern wurden in dieser Zeit von ihren Eltern getrennt und Familien für immer auseinander gerissen. Der Film „Long Walk Home“ thematisiert das Schicksal der “Stolen Generation”. Die Lebenserwartung der Aborigines ist heute deutlich tiefer als jener der westlichen Gesellschaft. Fehlender Zugang zu Ausbildungen, schlechte medizinische Versorgung, fehlende Arbeit und schwierige Integration in das australische Wirtschaftsleben führt zu einem hohe Anteil an Alkoholmissbrauch und zu Gewalt.

In ganz Australien wurde die Entschuldigungsrede von Kevin Rudd mitverfolgt, in den Schulen wurde der Unterricht gestoppt, viele unterbrachen ihre Arbeit. In den Städten waren in den Parks Grossleinwände aufgestellt, um die Rede zu übertragen, wo sich Tausende von Leuten aufhielten. Überall im Fernsehen sah man Aborigines, die weinten und einander umarmten.
Die anschliessenden TV-Umfragen bei Betroffenen zeigen, dass diese erstmals offen ausgesprochene Entschuldigung angenommen und als ersten Schritt in die gemeinsame Zukunft angeschaut wird. Der Sprecher der Aborignies wurde anschliessend gefragt, ob er denn nicht enttäuscht ist, dass Rudd nichts über das weitere Vorgehen gesagt hat (oder eben keine Gelder gesprochen hat zur Unterstützung der Aborigines in Ausbildung und Gesundheitswesen). Er verneinte und meinte, die Entschuldigung sei sehr wichtig, denn nur dank ihr sei eine „Heilung“ und Verarbeitung des Geschehenen und eine gemeinsame Zukunft möglich.

Sonntag, 10. Februar 2008

Water-Restrictions and Downpour

In Sydney gilt ein System zur Einschränkung des Wasserverbrauchs. Seit unserer Ankunft im August sind wir an „water restrictions level 3“ gebunden. Das bedeutet folgende Einschränkungen: Garten wässern jeweils nur am Mittwoch und Sonntag vor 10 oder nach 16 Uhr, keine Sprinkleranlagen sind erlaubt, Wässerung ist nur von Hand zugelassen, kein Abspritzen von harten Oberflächen (zB. Autos). Von diesen Regeln ausgenommen sind Besitzer von Regenwassertanks. Jedoch sollten diese gut sichtbare Tafeln aufstellen mit der Aufschrift „Rain water in use“. Ansonsten kommt es vor, dass sich gegenseitig kontrollierende Nachbarn fälschlicherweise des Wassermissbrauchs anzeigen. Vor 2 Monaten ist sogar bei handgreiflichen Auseinandersetzung ein älterer Bewohner ums Leben gekommen. Auch wir konnten schon unsere Nachbarn nachts beim heimlichen Waschen ihresAutos beobachten.
In den letzten Wochen resp. Monaten allerdings zeigt sich Sydney nicht von seiner schönsten Seite. Gestern zum Beispiel wurden wir auf einer geführten Aborigines-Tour trotz Regenkleider bis unter die Unterhosen durchnässt. Auch sind unsere Rasenflächen ums Haus so grün wie noch nie, und dies ohne Handwässerung! Die Sydney-Siders empfinden das andauernde Regenwetter (seit November !!) als Segen, denn sie wissen, dass sich die angespannte Wasserversorgung nur sehr langsam erholt. Der aktuelle Wasservorrat der Dämme von 64% hatten sie seit über 5 Jahren nie mehr (siehe Grafik).

Samstag, 2. Februar 2008

Genesung

8 Wochen sind nun bereits seit meinem Unfall vergangen und meine Rippen fühlen sich schon wieder viel besser an. Der Medikamenten-Verbrauch in dieser Zeit war enorm: Während 3 Wochen schluckte ich 3 verschiedene Schmerzmittel parallel, da die maximale Dosis der einzelnen nicht ausgereicht haben. So schluckte ich täglich 20 Tabletten, zeitlich möglichst so verschoben, dass ich nicht in ein „Schmerzmittelloch“ viel, denn die Wirkung aller 3 Medis hielt immer nur 4 Stunden. Um keine Überdosis zu riskieren und den Überblick zu bewahren, führte ich eine Excelliste mit allen Einnahmen...
Nach knapp 4 Wochen konnte ich dann das Narkotikum absetzen. Dies bedeutete, dass ich mich wieder ans Steuer setzen und Auto fahren durfte. Eine grosse Erleichterung, denn ohne Auto ist man in Australien wirklich aufgeschmissen.
Nach weiteren 2 Wochen verzichtete ich auf das Voltaren, musste aber weiterhin die maximale Dosis Paracetamol einnehmen (d.h. 8 Tabletten täglich).

Seit Mitte Januar bin ich nun Medikamenten-frei. Vor 2 Wochen habe ich meine ersten Joggingversuche gestartete, fühlte sich aber noch nicht so gut an. Heute, weitere 2 Wochen später, geniesse ich bereits wieder längere Joggings, einfach noch etwas langsamer als gewohnt.

Die Hilfbereitschaft unserer Freunde (v.a. Familien der German School) und Nachbarn war in dieser für unsere Familie schwierigen Zeit enorm gross. Angefangen bei der Kinderbetreuung, Kinder beim Schulbus abholen und nach Hause bringen, Spitalbesuche, Begleitung beim Spazieren und zu diversen Arztbesuchen und die vielen tröstenden und aufmunternden Worte haben die Tage und Wochen schnell vergehen lassen und unsere Familie "funktionsfähig" gehalten.

Dienstag, 22. Januar 2008

Die mit den Kanguruhs campieren

Unsere Australien-Entdeckung erfolgt in kleinen Tranchen. Zwangslaeufig, habe ich doch nur vier Wochen Ferien pro Kalenderjahr. Eine dieser vier Wochen verbringen wir zur Zeit im Sueden von Australien: Mit dem Flugzeug nach Melbourne, dann mit einem Wohnmobil nach Adeleide und von dort mit dem Flugzeug wieder zurueck nach Sydney.
Allzugerne haetten wir das Hitchcock-Spiel von Roger Federer in Melbourne gesehen, allerdings liess unser enger Wochenplan solche langen Spiele nicht zu. Die ersten beiden Tage kurvten wir der “Great Ocean Road” entlang. Es kaeme sehr selten vor, dass man im Januar die “12 Apostel” bei ca. 13 Grad im Nebel betrachen muss, hat man uns versichert… Mehr Glueck hatten wir anschliessend im Granpiens National Park. Dort konnten wir wieder unsere gewohnten T-Shirts anziehen und die “Balconies” bei Sonnenschein besteigen. Am eindruecklichsten aber war dort das Nachtessen vor unserem Wohnmobil, stets um geben von einer Gruppe von friedlich grasenden Kaenguruhs.

Donnerstag, 17. Januar 2008

Reptile Park

Nach dem Jahresanfang und den erholsamen Ferien in Tasmanien, ist bei mit schnell wieder der Arbeitsalltag eingekehrt. Allerdings sind immer noch Schulsommerferien bis Ende Januar und Sibylle darf das Tagesprogramm der Kiddies gestalten. Der Besuch des Reptile Parks im Norden von Sydney in der Nähe von Gosford letztes Wochenende war ein weiterer Höhepunkt. Einerseits konnten wir wiederum die geliebten Känguruhs, tasmanische Teufel, Riesenschildkröten, Pythonschlangen, Koalas, Wombats und viele Echsenarten aus nächsten Nähe betrachten und betasten. Andererseits konnten wir uns auch mit diversen giften Tieren von Australien, vorwiegend Schlagen und Spinnen, auseinandersetzen. So konnten wir aus nächsten Nähe mit ansehen, wie die berüchtigten Funnelweb-Spiders „gemolken“ werden. Dabei wir ihnen in regelmässigen Abständen das Gift entnommen, welches dann für die Herstellung des Anti-Gifts zur Behandlung von Bissen verwendet wird. Unterhaltsam war auch die Show eines Tierwärters, der sich geschickt gegen Angriffe einer Schlange wehrte.