Mittwoch, 13. Februar 2008

Sorry-Day

Heute morgen, 13. Februar um 9am war für die australische Geschichte ein wichtiger Moment: Regierungschef Kevin Rudd ergriff im Parlament in Canberra das Wort und hielt eine bewegende und ergreifende 30-minütigen Rede, in welcher er sich gegenüber der „Stolen Generation“ im Namen der Regierung und der ganzen Nation entschuldigte. Der Oppositionsleader Dr. Nilsson sprach weitere 20 Minuten und unterstrich die Worte von Rudd.

In den Jahren 1900-1969 galt ein Gesetz, welches vorsah, die Kinder von Aborigines ihren Eltern wegzunehmen, um sie in westlichen Familien zu „zivilisieren“. Zehntausende von Kindern wurden in dieser Zeit von ihren Eltern getrennt und Familien für immer auseinander gerissen. Der Film „Long Walk Home“ thematisiert das Schicksal der “Stolen Generation”. Die Lebenserwartung der Aborigines ist heute deutlich tiefer als jener der westlichen Gesellschaft. Fehlender Zugang zu Ausbildungen, schlechte medizinische Versorgung, fehlende Arbeit und schwierige Integration in das australische Wirtschaftsleben führt zu einem hohe Anteil an Alkoholmissbrauch und zu Gewalt.

In ganz Australien wurde die Entschuldigungsrede von Kevin Rudd mitverfolgt, in den Schulen wurde der Unterricht gestoppt, viele unterbrachen ihre Arbeit. In den Städten waren in den Parks Grossleinwände aufgestellt, um die Rede zu übertragen, wo sich Tausende von Leuten aufhielten. Überall im Fernsehen sah man Aborigines, die weinten und einander umarmten.
Die anschliessenden TV-Umfragen bei Betroffenen zeigen, dass diese erstmals offen ausgesprochene Entschuldigung angenommen und als ersten Schritt in die gemeinsame Zukunft angeschaut wird. Der Sprecher der Aborignies wurde anschliessend gefragt, ob er denn nicht enttäuscht ist, dass Rudd nichts über das weitere Vorgehen gesagt hat (oder eben keine Gelder gesprochen hat zur Unterstützung der Aborigines in Ausbildung und Gesundheitswesen). Er verneinte und meinte, die Entschuldigung sei sehr wichtig, denn nur dank ihr sei eine „Heilung“ und Verarbeitung des Geschehenen und eine gemeinsame Zukunft möglich.

Sonntag, 10. Februar 2008

Water-Restrictions and Downpour

In Sydney gilt ein System zur Einschränkung des Wasserverbrauchs. Seit unserer Ankunft im August sind wir an „water restrictions level 3“ gebunden. Das bedeutet folgende Einschränkungen: Garten wässern jeweils nur am Mittwoch und Sonntag vor 10 oder nach 16 Uhr, keine Sprinkleranlagen sind erlaubt, Wässerung ist nur von Hand zugelassen, kein Abspritzen von harten Oberflächen (zB. Autos). Von diesen Regeln ausgenommen sind Besitzer von Regenwassertanks. Jedoch sollten diese gut sichtbare Tafeln aufstellen mit der Aufschrift „Rain water in use“. Ansonsten kommt es vor, dass sich gegenseitig kontrollierende Nachbarn fälschlicherweise des Wassermissbrauchs anzeigen. Vor 2 Monaten ist sogar bei handgreiflichen Auseinandersetzung ein älterer Bewohner ums Leben gekommen. Auch wir konnten schon unsere Nachbarn nachts beim heimlichen Waschen ihresAutos beobachten.
In den letzten Wochen resp. Monaten allerdings zeigt sich Sydney nicht von seiner schönsten Seite. Gestern zum Beispiel wurden wir auf einer geführten Aborigines-Tour trotz Regenkleider bis unter die Unterhosen durchnässt. Auch sind unsere Rasenflächen ums Haus so grün wie noch nie, und dies ohne Handwässerung! Die Sydney-Siders empfinden das andauernde Regenwetter (seit November !!) als Segen, denn sie wissen, dass sich die angespannte Wasserversorgung nur sehr langsam erholt. Der aktuelle Wasservorrat der Dämme von 64% hatten sie seit über 5 Jahren nie mehr (siehe Grafik).

Samstag, 2. Februar 2008

Genesung

8 Wochen sind nun bereits seit meinem Unfall vergangen und meine Rippen fühlen sich schon wieder viel besser an. Der Medikamenten-Verbrauch in dieser Zeit war enorm: Während 3 Wochen schluckte ich 3 verschiedene Schmerzmittel parallel, da die maximale Dosis der einzelnen nicht ausgereicht haben. So schluckte ich täglich 20 Tabletten, zeitlich möglichst so verschoben, dass ich nicht in ein „Schmerzmittelloch“ viel, denn die Wirkung aller 3 Medis hielt immer nur 4 Stunden. Um keine Überdosis zu riskieren und den Überblick zu bewahren, führte ich eine Excelliste mit allen Einnahmen...
Nach knapp 4 Wochen konnte ich dann das Narkotikum absetzen. Dies bedeutete, dass ich mich wieder ans Steuer setzen und Auto fahren durfte. Eine grosse Erleichterung, denn ohne Auto ist man in Australien wirklich aufgeschmissen.
Nach weiteren 2 Wochen verzichtete ich auf das Voltaren, musste aber weiterhin die maximale Dosis Paracetamol einnehmen (d.h. 8 Tabletten täglich).

Seit Mitte Januar bin ich nun Medikamenten-frei. Vor 2 Wochen habe ich meine ersten Joggingversuche gestartete, fühlte sich aber noch nicht so gut an. Heute, weitere 2 Wochen später, geniesse ich bereits wieder längere Joggings, einfach noch etwas langsamer als gewohnt.

Die Hilfbereitschaft unserer Freunde (v.a. Familien der German School) und Nachbarn war in dieser für unsere Familie schwierigen Zeit enorm gross. Angefangen bei der Kinderbetreuung, Kinder beim Schulbus abholen und nach Hause bringen, Spitalbesuche, Begleitung beim Spazieren und zu diversen Arztbesuchen und die vielen tröstenden und aufmunternden Worte haben die Tage und Wochen schnell vergehen lassen und unsere Familie "funktionsfähig" gehalten.